Finden Sie Antworten auf alle Ihre Fragen in unserem Misch- Handbuch
Haben Sie eine Frage oder eine Anmerkung?
Bitte kontaktieren Sie den Autor unter admin@powderprocess.net
| Zusammenfassung des Abschnitts |
|---|
| 1. Grundlagen des Mischens |
| 2. Chargenmischen vs. Kontinuierliches Mischen |
| 3. Gängige Mischertypen Bandmischer Paddelmischer Trommelmischer Pflugscharmischer |
Die vorliegende Seite konzentriert sich auf das Trockenmischen von Feststoffen. Weitere Informationen zu anderen Mischarten finden Sie unter folgenden Links: Feststoff-/Flüssigkeitsmischen (Suspensionen) oder Flüssigkeits-/Flüssigkeitsmischen
Das Pulvermischen basiert auf der Bewegung der Partikel der zu mischenden Rezeptur. Die Bewegung kann unterschiedlich sein, und verschiedene Mischer entsprechen unterschiedlichen Mischprinzipien.
Mischer werden oft anhand der Froude- Zahlklassifiziert. Diese dimensionslose Kennzahl definiert das Mischregime in Abhängigkeit von ihrem Wert.
Top 5 Beliebteste
1. Auslegungsleitfaden für pneumatischen Transport
2. Bandmischer
3. Pulvermischen
4. Auslegungsleitfaden für Trichter
5. Messung des Mischungsgrades
--------
Top 5 Neu
1. Kontinuierliches Trockenmischen
2. Mischgeschwindigkeit
3. Optimierung der Mischer-Zykluszeit
4. Vergleich: Charge / kontinuierliches Mischen
5. Energieeinsparungen
Froude-Zahl ist definiert in Gleichung 1 [Perry]:

Gleichung 1: Froude-Zahl
Mit
R = Mischerradius oder Radius des Mischwerkzeugs
ω = Winkelgeschwindigkeit
Für Pulvermischer mit einem Mischwerkzeug kann sie in der praktischeren Form der Gleichung 2 ausgedrückt werden:

Gleichung 2: Froude-Zahl Berechnung für Mischer mit Mischwerkzeug (Band, Paddel usw.)
Mit
u = Umfangsgeschwindigkeit des Mischwerkzeugs
D = Durchmesser des Mischwerkzeugs
Froude-Zahl vergleicht 2 Kräfte: Fr = (Kräfte außer Gravitation – hauptsächlich Zentrifugalkräfte) / Gravitationskraft
Unter den industriell eingesetzten Mischern für das Pulvermischen schlägt die folgende Tabelle eine Klassifizierung nach der Froude- Zahl
vor: Tabelle 1: Mischer klassifiziert nach ihrer Froude- Zahl und Mischprinzip
| Fr | Mischklasse | Mischertyp | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| < 1 | Diffusion | Freifallmischer (Schwerkraftmischer) V-Mischer Doppelkonusmischer Behältermischer (IBC-Mischer) Trommelmischer |
Sehr einfache Konstruktion Geringer Energiebedarf Schonende Mischung Keine aktiven Mischelemente im Gerät Hohe Zuverlässigkeit Zugang für Reinigung |
Lange Mischzeit Gute Mischung bei Pulvern mit stark unterschiedlichen Partikelgrößen nicht erreichbar Entmischung kann auftreten |
| < 1 | Konvektion | Schubmischertyp Bandmischer Schneckenmischer |
Erzielen im Allgemeinen bessere Mischungsergebnisse als Diffusionsmischer Geringer Energieeintrag Allgemein kostengünstiger als Paddel- oder Pflugscharmischer |
Lange Mischzeit Mechanische Komplexität Zugang für Reinigung Produktschädigung bei langer Mischzeit möglich |
| > 1 | Konvektion | Paddelmischer Pneumatische Mischer |
Kurze Mischzeit Schonende Mischung Geringer Energieeintrag Guter Reinigungszugang (bei einigen Ausführungen mit entnehmbaren Wellen) Paddelmischer sind auch in kontinuierlicher Bauweise erhältlich Bei Paddelmischern kann eine Flüssigkeitseinspritzung vorgesehen werden |
Kosten im Vergleich zu Diffusionstrommeln / Bandmischern Bei Flüssigkeitseinspritzung neigt das System zur Agglomeration – dann sind zusätzliche Hochscher-Mischelemente erforderlich Bei pneumatisch erzeugter Wirbelschicht muss auf das Risiko von Entmischung durch "schwebende" Feinanteile an der Oberfläche des Mischers geachtet werden |
| >> 1 | Konvektion Scherung |
Pflugschar-
Mischer Hochscher-Mischelemente |
Kurze Mischzeit Reduziertes Risiko von Pulveragglomeration, insbesondere bei Flüssigkeitseinspritzung Auch in kontinuierlicher Bauweise erhältlich |
Erhöhte Partikelzerkleinerung Hoher Energieeintrag Kosten |
Eine weitere Klassifizierung kann je nach Prozessart (Charge oder kontinuierlich) vorgeschlagen werden. Obwohl Chargenmischer den Großteil der industriellen Anwendungen abdecken, können bestimmte Mischertypen (z. B. Paddelmischer) auch im kontinuierlichen Betrieb eingesetzt werden, was für bestimmte Prozesse vorteilhaft ist.
Die folgenden Faktoren beeinflussen die Mischzeit. Grundsätzlich streben Betreiber von Mischern eine möglichst kurze Mischzeit an, um die Produktivität ihrer Anlage zu steigern.
Tabelle 2: Parameter, die die Mischzeit beeinflussen
| Betriebsparameter | Einfluss auf die Mischzeit |
|---|---|
| Mischvolumen | Ein größeres Mischvolumen führt zu längerer Mischzeit Eine Verdopplung des Volumens bedeutet jedoch nicht zwangsläufig eine Verdopplung der Mischzeit Bei Mischern mit Fr > 1 bleibt die Mischzeit ab einem bestimmten Volumen nahezu konstant Hinweis: Ein Mischer darf nicht überfüllt werden, da sonst eine ausreichende Mischung unmöglich wird |
| Mischgeschwindigkeit | Eine höhere Mischgeschwindigkeit verkürzt in der Regel die Mischzeit Der Einfluss auf das Pulver (z. B. Partikelbruch) muss jedoch berücksichtigt werden |
| Froude-Zahl | Eine höhere Froude-Zahl führt zu kürzerer Mischzeit Partikelbruch ist besonders bei Fr >> 1 problematisch |
| Feststoff- | Je stärker sich die Partikelgrößen der Mischungskomponenten unterscheiden, desto schwieriger ist die Mischung |
Einfluss der Froude-Zahl und des Mischervolumens sind in der folgenden Grafik dargestellt:

Abbildung 1: Mischzeit = f(Fr, Volumen) [Gericke]
Die Mischzeit hängt auch von der Reihenfolge und dem Ort der Zugabe der Komponenten ab. Besonders kritisch ist die Position der Mikrokomponenten. Werden diese seitlich in den Mischer dosiert, kann sich die Mischzeit deutlich verlängern. Als bewährte Praxis sollten kleine, Neben- und Mikrokomponenten in der Mitte des Mischers – auf jeden Fall im "aktiven" Bereich (z. B. der Fluidisierungszone) – zugegeben werden.
Die Entscheidung, ob ein Feststoffmischprozess als Charge oder kontinuierlich ausgelegt wird, muss bereits zu Projektbeginn getroffen werden, da die erforderlichen Anlagenkomponenten grundlegend unterschiedlich sind.
Das Funktionsprinzip unterscheidet sich radikal. Bei Chargenprozessen erfolgt eine diskontinuierliche Abfolge: Dosierung der Komponenten, Beschickung des Mischers, Mischvorgang und Entleerung. Dieser Ablauf wiederholt sich bei jeder Charge. Im kontinuierlichen Prozess laufen alle Schritte gleichzeitig ab, wobei die Dosierung der Komponenten und das Mischen in speziell dafür ausgelegten, kontinuierlich arbeitenden Mischern erfolgt.
Die folgende Übersicht fasst die Auswirkungen der Prozessart auf zentrale Auslegungsparameter zusammen:
Tabelle 5: Vergleich von Chargen- und kontinuierlichem Mischprozess
| Prozessvariable | Kontinuierlich | Charge |
|---|---|---|
| Kapazität | Von 10 kg/h bis sehr groß | Von sehr klein bis groß |
| Mischergröße (bei ähnlichem Durchsatz) | Kleiner | Größer |
| Entmischung Risiko | Geringer | Höher durch nachgelagerte Prozessschritte (z. B. plötzlicher Materialabwurf) |
| Platzbedarf (bei ähnlichem Durchsatz) | Geringer | Größer |
| Flexibilität | Geringer (kontinuierliche Mischer sind für wenige Rezepturwechsel ausgelegt) | Höher (die Mischanlage kann bei Bedarf starten/stoppen) |
| Rezepturkomplexität | Geringer (begrenzte Anzahl an Inhaltsstoffen) | Höher (der Prozess kann mehr Inhaltsstoffe verarbeiten) |
| Automatisierung | Komplex für die Steuerung der "Loss-In-Weight-Dosierer" | Allgemein einfach |
| Erforderliche Mitarbeiterqualifikation | Hoch aufgrund der Dosiersysteme | Geringer |
| Benötigter Platzbedarf | Vergleichsweise gering | Vergleichsweise groß |
Kontinuierliche Mischprozesse müssen kontinuierlich mit Pulver durch spezielle Dosiersysteme versorgt werden. Diese Dosiersysteme bestehen aus "Loss-In-Weight-Dosierern". Dosierer können folgende Fördereinheiten nutzen: Schneckenförderer, Vibrationsrinnen oder Wiegeförderbänder. Jeder Dosierer ist auf Wägezellen montiert und muss mit einem hochentwickelten Steuerungssystem ausgestattet sein, das es ermöglicht, den Gewichtsverlust über die Zeit zu messen, Störungen zu filtern und die Dosiergeschwindigkeit anzupassen, um einen vorgegebenen Sollwert in kg/h zu halten.
Bei einem kontinuierlichen Mischer beeinflusst die Genauigkeit des Dosierers maßgeblich die Homogenität. Ein kontinuierlicher Mischer muss sowohl radiale als auch axiale Mischung gewährleisten. Grundsätzlich werden bessere Ergebnisse im Pfropfenstrom mit minimaler axialer Dispersion erzielt. Ist der Dosierer jedoch nicht stabil, kommt es am Ausgang des Mischers zu Inhomogenitäten. In der Praxis ist eine gewisse axiale Dispersion erforderlich, um Dosierungenauigkeiten auszugleichen.
Eine geringe Dosiergenauigkeit bedeutet: axiale Dispersion ist erforderlich, damit ist ein größeres Mischvolumen nötig, und somit eine längere Mischzeit.
Im Folgenden werden gängige Mischer vorgestellt
| "Bandmischer" (Ribbon Blender) |
| "Paddelmischer" |
| "Trommelmischer" |

Abbildung 2: Bandmischer
Tabelle 3: Prozessmerkmale des Bandmischers
| Mischwerkzeug | Bandwendel |
| Froude- Zahl | < 1 |
| Typische Mischgeschwindigkeiten | ~50–70 U/min für kleine Mischer, ~10–20 U/min für große Volumina |
| Größe | Von einigen 100 l bis über 10.000 l |
| Typische Mischzeit | Mehr als 5 Minuten |
| Auswirkung auf das Produkt | Kann stark sein bei langer Mischzeit und hoher Geschwindigkeit |
| Anzahl der Lager | 2 – Mischwerkzeug nicht freitragend |
| Oberer Deckel | Verschraubt, mit Dichtung |
| Auslass | 1 – in der Regel rund, teilweise hygienisches Design |
| Reinigungsfähigkeit | Eingeschränkt, schlechter Zugang |
| Zugang | Meist Türen an der Oberseite |

Tabelle 4: Prozessmerkmale des Paddelmischers
| Mischwerkzeug | Paddel |
| Froude- Zahl | > 1 |
| Typische Mischgeschwindigkeiten | ~50 U/min für einen ~1.000-l-Mischer |
| Größe | Von einigen 100 l bis 5.000 l |
| Typische Mischzeit | 1 bis 2 Minuten |
| Auswirkung auf das Produkt | Mischen erfolgt schonend, geringe Pulverdegradation zu erwarten |
| Anzahl der Lager | 1 oder 2 – Mischwerkzeug kann freitragend sein |
| Oberer Deckel | Verschraubt, mit Dichtung oder verschweißt |
| Auslass | 1 oder 2 – runde, hygienische Ausführung möglich, Klappen möglich |
| Reinigungsfähigkeit | Gut, einige Konstruktionen erlauben das Entnehmen der Wellen |
| Zugang | Seitliche Türen, bei einigen Konstruktionen Fronttür (bei freitragender Ausführung) |

Tabelle 5: Prozessmerkmale des Trommelmischers
| Mischwerkzeug | Behälter – V-Form, Doppeltkegel, Trommel – in der Regel ohne aktives Mischwerkzeug |
| Froude- Zahl | < 1 |
| Typische Mischgeschwindigkeiten | 25 U/min |
| Größe | Von einigen Litern bis 2.000 l (bei Behältermischern) |
| Typische Mischzeit | 5 bis 15 Minuten |
| Auswirkung auf das Produkt | Mischen erfolgt schonend (sofern kein Rührwerk eingebaut), geringe Pulverdegradation zu erwarten |
| Anzahl der Lager | Die Trommel wird durch einen rotierenden Arm bewegt |
| Oberer Deckel | Geklemmt |
| Reinigungsfähigkeit | Gut geeignet für kleine Behälter, weniger geeignet für größere Behälter. Bei großen Behältern wird die dedizierte Nutzung für ein Produkt empfohlen |
| Zugänglichkeit | Der Mischer muss durch einen Schutzkäfig gesichert sein |
Behälter können sehr unterschiedliche Größen aufweisen. Kleinere Mischer verarbeiten Trommeln von wenigen Litern bis zu 200 Litern. Diese Trommeln bestehen oft aus Edelstahl und können mit Prallblechen auf dem Deckel ausgestattet sein. Diese Prallbleche fördern die Durchmischung und können zu einer Verkürzung der Mischzeit führen.
Größere Behälter verfügen in der Regel über einen konischen Boden. Diese Behälter können ein Volumen von 500 bis 2000 Litern haben. Einige Ausführungen können zusätzlich mit einem Rührwerk ausgestattet sein. Die Mischwirkung kombiniert dann den Effekt des Rührwerks mit dem klassischen Lawinen-Effekt durch die Behälterrotation.
Quellen
[Perry] : Perry's 8. Auflage, Feststoffmischen, 21-39
[Gericke] : angepasst aus "Unterschiedliche Methoden des Batch- und kontinuierlichen Mischens von Feststoffen", Bulk Solids Handling, H.R. Gericke, 1993