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| Abschnittszusammenfassung |
|---|
| 1. Fließeigenschaften von Pulvern: Scherzellen-Tester (Jenike-Methode) |
| 2. Zwischenmethoden: Kohäsionsindex von Pulvern |
| 3. Schnellmethoden: Schüttwinkel, Carr- und Hausner-Index |
| 4. Elektrostatik |
Das Verständnis der Pulvereigenschaften ist der erste Schritt zu einem guten Design oder einer effizienten Fehlersuche in einer industriellen Anlage. Leider sind nicht immer alle relevanten Daten für den Ingenieur verfügbar. Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die wichtigsten Daten, die in der folgenden Tabelle aufgelistet und beschrieben werden.
Tabelle 1: Pulvereigenschaften
| Eigenschaft | Einheit | Bedeutung | Messmethode |
|---|---|---|---|
| Schüttdichte | kg/l | Auslegung von Behältern, Mischern, Säcken, Dosiergeräten... alle Komponenten, die Pulver aufnehmen oder dosieren Hinweis: Die Schüttdichte kann als gerüttelt ("tapped") oder ungerüttelt (auch als "lose Schüttdichte" bezeichnet) angegeben werden. Die ungerüttelte Dichte sollte berücksichtigt werden, solange das Pulver belüftet ist (z. B. in einem Empfänger nach pneumatischem Transport) |
Die Schüttdichte kann durch Wiegen eines definierten Volumens an Schüttgut gemessen werden. Die Probe kann gerüttelt oder ungerüttelt sein. |
| Scheinbare Partikeldichte | kg/l | Die Partikeldichte ist relevant, wenn die Bewegung des Feststoffs nicht mehr als Masse, sondern als einzelne Partikel betrachtet werden muss. Dies ist z. B. bei bestimmten Technologien des pneumatischen Transportsder Fall. | Die scheinbare Partikeldichte kann aus der Skelettdichte und der Porosität der Partikel berechnet werden |
| Skelettdichte | kg/l | Wird zur Berechnung der scheinbaren Partikeldichte verwendet | Die Skelettdichte kann durch Gaspyknometrie (z. B. mit Helium) gemessen werden |
| Kohäsionsfestigkeit | Die Kohäsionsfestigkeit wird bei der Auslegung von Silos/Trichtern zur Berechnung der erforderlichen Austragsöffnung | verwendet. (Siehe Erläuterungen unten; Scherzellen) | |
| Wandreibung | Grad | Die Wandreibung wird zur Berechnung des Neigungswinkels von Trichterkegelnsowie zur Bestimmung des inneren Reibungsparameters | verwendet. (Siehe Erläuterungen unten; Scherzellen) |
| Permeabilität | Die Permeabilität gibt Aufschluss über die Fähigkeit des Schüttguts, Luft zurückzuhalten. Sie ist ein Parameter, der bei der Berechnung von Austragsraten und Sedimentationszeiten | verwendet wird. (Fortgeschrittene Pulverrheometer, Fluidisierung) | |
| Entmischung Neigung | Gibt Auskunft über die Risiken der Entmischung bei der Pulverhandhabung (Entmischung beim Austrag, Schwierigkeiten beim Mischen...) | Homogenitätstests | |
| Gleiten an Aufprallpunkten | Hilft bei der Bestimmung des Neigungswinkels von Rohrleitungen nach einem Trichter, um das Pulver gleiten zu lassen (z. B. zu einem Mischer, einer Abfüllstation...) | ||
| Partikelbrüchigkeit | Ist das Partikel brüchig? Müssen besondere Maßnahmen für Transport oder Mischung ergriffen werden? | ||
| Partikelgrößenverteilung (PSD) | Die Kontrolle der PSD kann für eine spezifische Endanwendung oder zur Steuerung nachfolgender Prozessschritte erforderlich sein. Die Messung der PSD ist besonders wichtig für Zerkleinerungs-/Mahlprozesse. | Die Messmethode kann mehr oder weniger komplex und präzise sein. Eine einfache Methode ist die Siebanalyse, die jedoch relativ grob ist. Automatisierte Methoden liefern schnell eine präzisere Partikelgrößenverteilung; eine beliebte Methode ist die Laserbeugung. | |
| Partikelform | Die Kontrolle der Partikelform kann für spezifische Endanwendungen erforderlich sein. Die Kenntnis der Partikelform kann auch helfen, Mischprobleme vorherzusehen (z. B. ineinandergreifende Formen, die eine gute Durchmischung verhindern) | Mikroskopie, Bildanalyse | |
| Härte | Mohs-Härte | Hilft bei der Bewertung, wie abrasiv die Verarbeitung des Feststoffs sein wird | Das Material wird nach seiner Kratzfestigkeit gegenüber Referenzmaterialien klassifiziert |
Top 5 Beliebteste
1. Leitfaden zur Auslegung des pneumatischen Transports
2. Bandmischer
3. Pulvermischung
4. Leitfaden zur Trichterauslegung
5. Messung des Mischungsgrads
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Top 5 Neuheiten
1. Kontinuierliches Trockenmischen
2. Mischgeschwindigkeit
3. Optimierung der Mischzykluszeit
4. Vergleich von Charge-/kontinuierlichem Mischen
5. Energieeinsparungen
Die folgenden Abschnitte beschreiben das Konzept der Pulverfließfähigkeit, das tatsächlich verschiedene Schütteigenschaften abdeckt:
Es wird ebenfalls erläutert, wie diese Eigenschaften praktisch bestimmt werden können.
Am Ende der Seite werden auch einige Schnellmethoden zur Abschätzung der Fließfähigkeit vorgestellt.
Die Leistung eines industriellen Prozesses wird unter anderem anhand seiner Fähigkeit bewertet, eine Nenngeschwindigkeit (ausgedrückt in Durchsatz, Zykluszeit oder Anzahl der Chargen/h) zu erreichen. Wenn ein Bunker, der Pulver mit einer bestimmten Rate abgeben soll, dies nicht kann – egal ob er sich am Anfang, in der Mitte oder am Ende des Prozesses befindet –, wird die gesamte **Anlagengeschwindigkeit** beeinträchtigt. Die Vorhersage der Fließfähigkeit von Schüttgütern, z. B. aus einem Bunker, ist daher von entscheidender Bedeutung für die Schüttguthandhabung.
Die folgenden Begriffe, die für die korrekte Auslegung von Bunkern und die Förderung des Schüttgutflusses wichtig sind, werden auf dieser Seite erläutert:
Der Schertester oder die Scherzelle ermöglicht die Bestimmung wichtiger rheologischer Pulvereigenschaften wie der **Kohäsionsfestigkeit** und der **Wandreibung**, die wiederum zur Berechnung von Bunkerauslassdurchmessern und Austragswinkeln verwendet werden können.
Zur Bestimmung der Eigenschaften müssen zwei Scherversuche durchgeführt werden:
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Abbildung 1: Jenike-Zellen
Der Test wird nach einer Vorscherphase durchgeführt, die dem Pulver eine bestimmte Dichte verleiht, bevor die Normalspannung und die Scherspannung aufgebracht werden. Diese Vorscherung kann variiert werden, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Diese Ergebnisse werden verwendet, um verschiedene Fließortskurven zu zeichnen und daraus unterschiedliche Pulvereigenschaften (siehe unten) zu berechnen.
Auf eine Pulverprobe wirken zwei Kräfte: eine **Normalkraft** (voreingestellt und schrittweise erhöhbar) und eine **Scherkraft** (seitlich). Die gemessene Scherkraft entspricht der Kraft, die zum Verschieben der Probe erforderlich ist.
Jedes Paar (Normalspannung; Scherspannung) wird aufgezeichnet und in ein Diagramm eingetragen. Aus dieser Kurve lassen sich verschiedene rheologische Pulvereigenschaften ableiten. Die erhaltene Grafik, **Fließortskurve** genannt, ist unten dargestellt (Beispiel – kein reales Pulver).
Folgende Pulvereigenschaften können aus der erhaltenen Grafik (sog. "Fließortskurve") bestimmt werden:
Tabelle 2: Ergebnisse der Scherzellen
| Scherprüfgerät | Direktbestimmung | Berechnet |
|---|---|---|
| Scherzelle zur Messung der Wechselwirkung Material/Pulver | Wandreibungswinkel Φ' | - |
| Scherzelle zur Messung der Pulver/Pulver-Wechselwirkung | Effektiver innerer Reibungswinkel δ Statischer innerer Reibungswinkel Φ Hauptkonsolidierungsspannung (oder Verdichtung) σ₁ Kohäsionsfestigkeit fₖ (auch **unbegrenzte Fließspannung UYS** genannt) |
**Pulver-(Material-)Fließfunktion** (durch Eintragen der UYS- und σ₁-Werte bei unterschiedlichen Vorscherungen) |
Für eine gegebene Vorkonsolidierung wird die Fließortskurve aus den Daten der Zelle gezeichnet, die die Pulver/Pulver-Wechselwirkungen misst.

Abbildung 2: Daten der Fließortskurve aus der Pulver-Pulver-Scherzelle
Zeichnen der Fließortskurve aus den Daten der Zelle, die die Pulver/Material-Wechselwirkungen misst.

Abbildung 3: Daten der Fließortskurve aus der Pulver-Material-Scherzelle
Die Fließortskurve wird in Abhängigkeit von einem anfänglichen Konsolidierungszustand erstellt. Es ist möglich, den anfänglichen Konsolidierungszustand zu variieren. Durch das Zeichnen verschiedener Fließortskurven bei unterschiedlichen Anfangskonsolidierungen erhält man die Grundlage zur Bestimmung der **Fließfunktion** des Pulvers. Ein illustratives Beispiel mit 3 Fließortskurven ist unten dargestellt.

Abbildung 4: Grafische Bestimmung der Pulverfließfunktion
Aus den 3 verschiedenen Fließortskurven lassen sich 3 Wertepaare (**Hauptkonsolidierungsspannung σ₁; Kohäsionsfestigkeit fₖ**) berechnen.
Anschließend kann ein Diagramm mit fₖ = f(σ₁) gezeichnet werden. Dies ist die **Materialfließfunktion (MFF)** des getesteten Pulvers (nicht zu verwechseln mit dem Fließfaktor ff). Die Fließfunktion liefert zuverlässigere Informationen über das Pulververhalten als Schnellmethoden wie der Schüttwinkel oder Indizes.
Im Beispiel werden nur 3 Wertepaare betrachtet, in der Praxis werden jedoch mehr verwendet, um die tatsächliche Fließfunktion zu zeichnen. Das Diagramm kann durch Ursprungsgeraden mit der Steigung i = (σ₁)/fₖ in verschiedene Bereiche unterteilt werden. Die unterschiedlichen i-Werte geben Auskunft über die Fließfähigkeit: Je nach Position der Fließfunktion im Diagramm lässt sich die Fließfähigkeit bestimmen.1) in der Fließfunktion. Die verschiedenen i-Werte geben Aufschluss über die Fließfähigkeit. Abhängig von der Lage der Fließfunktion im Diagramm kann deren Fließfähigkeit bestimmt werden.

Abbildung 5: Pulverfließfunktion und Fließfähigkeit von Pulvern
Anhand der Form des Graphen kann bestimmt werden, ob das Pulver kohäsiv ist oder nicht.

Abbildung 6: Typische Materialfließfunktionen (MFF)
Am Ende der Prüfung mit Jenike-Scherzellen (oder äquivalenter Prüfeinrichtung) wurden folgende rheologische Pulvereigenschaften bestimmt:
Hinweis: Anschließend kann bestimmt werden, wie das Pulver aus einem gegebenen Bunker fließt (oder ein Bunker ausgelegt werden), indem die zum Bunkerdesign gehörende Fließfunktion ff berechnet und eine Gerade mit der Steigung 1/ff in die **Materialfließfunktion (MFF)** eingetragen wird. Fließt das Pulver, wenn die Gerade mit der Steigung 1/ff **über** der MFF liegt, sind bei einer Position **unter** der MFF Brückenbildungen zu erwarten, und der Fluss wird erschwert. Weitere Informationen zur Bunkerauslegung finden Sie hier.

Abbildung 7: Fließfunktion und Materialfließfunktionen zur Berechnung der kritischen angelegten Spannung
Einige experimentelle Methoden wurden entwickelt, um die mit der Jenike-Methode erzielten Ergebnisse anzunähern, die ohne spezielle Ausrüstung sehr zeitaufwendig ist.
Johanson hat eine Testreihe entwickelt, mit der verschiedene Indizes bestimmt werden können, die mit den oben definierten wichtigsten Auslegungsparametern verknüpft sind.
Tabelle 3: Liste vereinfachter Methoden zur Fließfähigkeitsbewertung
| Methode | Erhaltener Wert |
|---|---|
| Hang-up-Indikator | Brückenbildungsindex AI (= kritischer Auslassdurchmesser) Rathole-Index RI (= Rathole-Durchmesser) |
| Bunker-Indikator | Bunkerindex HI (= Kegelwinkel) Rutschenindex (= Gleitverhalten bei Aufprall) |
| Durchsatz-Indikator | Durchsatzindex FRI (= max. Schwerkraft-Austragsleistung **ohne** Austragshilfe, aber mit **vollständig nicht** belüftetem Pulver) Schüttdichte FDI und Stampfdichte BDI (= lose und gerüttelte Dichte) |
Um diese spezifischen Daten zu erhalten, ist der Zugang zu Maschinen erforderlich, die von Unternehmen im Bereich der Pulveranalyse gebaut werden.
Ein Schertester steht im täglichen Anlagenbetrieb möglicherweise nicht zur Verfügung, wenn ein neuer Behälter berechnet oder ein Prozess analysiert werden muss. Es wurden schnellere Methoden entwickelt, um das Pulververhalten abzuschätzen. Der Einsatz solcher Schnellmethoden sollte mit Vorsicht erfolgen, da sie nur eine **Indikation** des Pulververhaltens liefern und nicht für direkte Berechnungen verwendet werden können.
Tabelle 4: Berechnete Indizes zur Beurteilung der Fließfähigkeit
| Methode | Berechnung | Interpretation |
|---|---|---|
| Carr-Index | I = (Stampfdichte – Schüttdichte) / (Stampfdichte) × 100 | I < 15 %: gute Fließfähigkeit I > 25 %: schlechte Fließfähigkeit |
| Hausner-Index | Hᵣ = (Stampfdichte) / (Schüttdichte) | Hᵣ > 1,4: kohäsives Pulver Hᵣ < 1,2: frei fließend Dazwischen: mittleres Verhalten |
| Schüttwinkel-Methode – Fließwinkel des Pulvers |
Schüttkegelwinkel | Winkel < 30°: gute Fließfähigkeit Winkel von 30 bis 50°: schwieriger Fluss Winkel über 50°: nahezu unmöglicher Fluss |
Eine mögliche Anwendung dieser vereinfachten Methoden ist der Vergleich zwischen Pulvern. Wenn ein Trichter für ein Pulver A ausgelegt wurde und ein zufriedenstellendes Design aufweist, können die Überprüfung des Carr-Index und des Schüttwinkels von Pulver B einen Hinweis darauf geben, ob ein solches Design auch für Pulver B geeignet wäre. Weichen die Werte des Carr-Index und des Schüttwinkels stark ab, deutet dies darauf hin, dass eine detailliertere Untersuchung der Eigenschaften von Pulver B erforderlich ist und präzise Methoden für die Auslegung verwendet werden sollten.
Ein oft übersehener Einflussfaktor bei der Analyse des Pulverflusses ist die Wirkung statischer Elektrizität. Dies gilt insbesondere für sehr feine Partikel, bei denen die elektrischen Kräfte im Vergleich zu anderen Kräften (z. B. Schwerkraft) signifikant werden.
Die Parameter, die die statische Elektrizität beeinflussen, sind folgende: